Nordhessen
arm, aber zufrieden (?)
Ähnlich wie das Land Brandenburg ist Nordhessen eine Bastion gegen den Anpassungsdruck, der von den Metropolen ausgeht. Hier hält man nichts auf Mode, man lebt nach seinen eigenen Konventionen. Entweder sind das lange gewachsene dörfliche Traditionen oder Gewohnheiten, die von ursprünglichen Statdflüchtlingen verbreitet wurden. In den 80er Jahren wurde die ersten Pioniere der Bio-Landwirtschaft hier noch als Kommunisten betrachtet. Ein Freund, der an seinem Haus einen großen roten Punkt angebracht hatte, musste sich anhören, dies sei sicherlich das Erkennungszeichen für seine vorbeifahrenden Genossen, tatsächlich war es das Erkennungszeichen seiner Bienen, damit sie ihren Stock wiederfinden. Das hat sich bis heute offenbar verändert. Und es es ist wohltuend, hier Menschen zu begegnen, die ihre Lebensweise gefunden haben.
Arm, aber zufrieden? Es exitiert natürlich auch die andere Seite: Auf dem ersten Bild sieht man nicht den Bücherfresser, sondern eine Installation vor der Leica-Firmenzentrale in Wetzlar. Da Georg Büchner aus Nordhessen kommt und Goethe in Wetzlar sein Referendariat absolviert hat, ist das wohl kaum anzunehmen. Aber Leica ist eben dire große Erfolgsgeschichte in Nordhessen. Die Firma ist nicht nur reich, sondern besitzt eine lange Tradition, passt sich an, ohne ihr Credo aufgeben zu müssen und steht wohl für den Versuch, zwischen Digitalisierungswahn und solidem Handwerk eine Balance zu finden, die immer noch etwas mehr in die Richtung soliden Handwerks ausschlägt.